Montag, 11. März 2013







Bericht vom Sonntag, den  10. März 2013




Sonntagsfrühstück im Scandic Crown


Bei landestypischer Blutwurst, die man hier mit Preiselbeeren isst, und karelischen Piroggen mit Buttereiaufstrich gibt es eine erste Besprechung. Die finnischen Kolleginnen, Kati Luhtajärvi-Nikkanen – Lehrerin für Deutsch und Englisch - und Pia Loven – Lehrerin für Deutsch und Schwedisch, geben mir Details zum Ablauf der nächsten Wochen bekannt.

Der Bezirk Hervanata im Südosten der 200 000 Einwohnerstadt Tampere gilt als Immigrantenviertel. Für finnische Verhältnisse sehr hohe 25% beträgt der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. Seit kurzem wird auch Islamischer Religionsunterricht angeboten, woraus sich auf die Herkunftsregionen der zu Unterrichtenden schließen lässt. Kollegin Loven unterrichtet an der Grundschule, welche hier neun Jahre dauert. Daran schließt ein drei bis vierjähriges Gymnasium an, wo Kollegin Luhtajärvi-Nikkanen unterrichtet. Bis zur sechsten Schulstufe gibt es einen Klassenlehrer. Ausgenommen ist der ab der vierten Klasse beginnende Fremdsprachenunterricht, wo ensprechende Fachlehrer den Unterricht erteilen. Schwedisch ist verpflichtend. Die Geschichte, Finnland stand bis 1809 unter der Herrschaft der schwedischen Krone, sowie tagespolitische Meinungsverschiedenheiten fördern nicht gerade die Beliebtheit dieser Sprache. Die Schweden gaben aber schon damals den Finnen Impulse für eine gute Bildungspolitk. Sie gaben ihnen nur dann Erlaubnis zur Heirat, wenn sie lesen und schreiben konnten. In Anbetracht des hohen Immigrationsanteiles wird Finnisch auch als Zweitsprache angeboten. Im Gegensatz zu Österreich, mit einem verpflichtenden letzten Kindergartenjahr, gibt es hier lediglich ein freiwilliges Vorschuljahr. 
Eine Beobachtungsaufgabe für die morgige erste Hospitationsstunde ist auch gleich gefunden. Ich möge rückmelden, ob das eingesetzte Powerpoint das Präteritum klar und anschaulich erklärt. Erstens gehört mein Deutschunterricht längst der Vergangenheit an und außerdem bin ich sprachlich höchst unperfekt. Das Präkambrium ist mir als Geograph als längst vergangenes Erdzeitalter bekannt. Aber vom Präterium verstehe ich nichts. Nun gut, wenn es anschaulich erklärt wird, dann werde ich es vielleicht morgen verstehen.



Fahrt zum Absturz der Österreicher in Lahti


Ich dachte mir anfangs, dass es mir vollkommen unmöglich sein wird je ein finnisches Wort zu verstehen, so kann ich hier doch schon einige Erfolge verbuchen. Die Ortsnamen der Stationsdurchsagen lassen sich mitunter erahnen, wenngleich sich Schriftbild und Aussprache doch sehr unterscheiden. Hilfreich ist jedenfalls eine stets folgende Durchsage auf Schwedisch, welches vor allem im Schriftbild bei den meist zweisprachigen Hinweistafeln deutliche Parallelen zu Deutsch erkennen lässt.

Die Landschaft erinnert sehr an das Waldviertel. Es ist nur viel weniger hügelig. Es wechseln einander im flachen Sonnlicht glänzende mit Schnee bedeckte gefrorene Seen und ausgedehnte Wälder ab. Es handelt sich dabei selten um reinen Nadelwald. Meist sind es Birken mit Fichten oder Kiefern. Immer wieder tummeln sich Sportbegeisterte mit ihren Langlaufschiern auf den endlosen Loipen entlang von Straßen, Bahnlinien, querfeldein oder einfach nur geradeaus über einen zugefrorenen See. Am Bahnsteig in Riihimäki steht eine Snowboarderin mit kompletter Ausrüstung. Es muss hier also doch in der Nähe einen Berg oder zumindest einen größeren Hügel geben. Ich frage mich nur wo? 


  
Mika Kojonkoski zeigt sich fotogen

In Lahti treffe ich ein, als gerade die Siegerehrung für Petter Northug im 15km Langlauf im Gang ist. Überraschend viele Finnen verlassen danach das Stadion. Die schwachen Leistungen der finnischen Schispringer veranlassen sie offenbar dazu. Ich schließe mich einer Gruppe von drei Deutschen an und bringe im Auslauf der 130-Meterschanze meine rot-weiß-rote Fahne gleich neben der deutschen am Absperrgitter an. Mit mehreren hundert Fans am stärksten vertreten ist die polnische Fraktion. Sie unterstützten zuvor noch die siegreiche Langläuferin Justyna Kowalczyk. Ihr lautstarkes Anfeuern hilft aber nichts. Kamil Stoch belegt nur Rang vier. Aber ich habe noch weniger zu jubeln. Gregor Schlierenzauer wird als bester ÖSV-Adler lediglich fünfzehnter. Mika Kojonkoski, ehemaliger finnischer Cheftrainer der Österreicher, hat dafür auch keine Erklärung, ist aber immerhin zu einem Foto mit mir bereit. Um nicht in Lethargie zu versinken, schließe ich mich dem Siegestaumel der Deutschen an und gratuliere schließlich Richard Freitag höchst persönlich zu seinem dritten Weltcupsieg.
Lahtisieger Richard Freitag bereit zu einem Foto mit einem Ösi
 

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