Bericht vom Freitag, den 15. März 2013
Wie ferngesteuert bewege ich mich schlaftrunken zur Busstation. Tampere zeigt sich in strahlendstem Sonnenschein heute von seiner besten Seite. Meine Schläfrigkeit ist bald verflogen. Minus 18°C zeigen rasch ihre Wirkung.
Morgendliche Folklore
Die erste Stunde ist Deutsch im noch menschenleeren Gymnasium. Zum zweiten Mal habe ich einen folkloristischen Auftritt mit Trachtenhemd, Lederhose und Haferlschuhen. Es leben die Klischees! Ich werde zwar von allen Seiten genau betrachtet, aber 17jährige lassen sich einmal nicht so begeistern wie 11- oder 12jährige. Wurde ich in der Grundschule noch zum Fotomodell, so hält sich hier die Begeisterung eher in Grenzen. Im Deutschunterricht stellen wir in Gruppen Restaurantszenen nach. Das Bestellen und Bezahlen soll mündlich geprobt werden. Die Speisekarten habe ich von daheim mitgebracht. Sie wurden von unserem erweiterten Konferenzzimmer, dem Gasthaus Bayones, zur Verfügung gestellt. Die SchülerInnen bestellen in erster Linie Cola und Ham and Eggs. Nur die Mutigsten wagen es auch schwierige Wörter auszusprechen und ordern eine Tagessuppe oder Wiener Schnitzel vom Schwein mit gemischtem Salat. Finnen haben mitunter mit der Aussprache deutscher Wörter ebensolche Probleme wie wir mit den ihren. Um das zu umgehen, können sie sehr einfallsreich sein. In den Sportnachrichten berichten sie immer wieder von S-14, was soviel wie Schlierenzauer bedeutet. Die Zahl nach dem Anfangsbuchstaben seines Namens gibt die Anzahl der Buchstaben. Überrascht zeigen sich einige SchülerInnen, als ich ihnen auf ihr Spielgeld 1- und 2-Centstücke als Wechselgeld zurück gebe. Diese sind in Finnland nämlich nicht im Umlauf und lösen Erstaunen aus. Den Rest der Stunde habe ich nichts mehr zu tun. Außerdem verläuft sie unspektakulär nach dem bereits bekanntem Schema: Buch, Projektion, Lehrervortrag und anschließend schriftliche Übungen.
Früh übt sich
Meine einzige Aktivität in der nächsten Deutschstunde beschränkt sich auf das Absammeln der Hausübungen. Danach folgt eine Hörverständnisübung der Deutschmatura aus dem Jahr 2006. Ein deutscher Text wird zweimal vorgespielt. Danach werden dazu Fragen auf Finnisch gestellt, welche auch auf Finnisch zu beantworten sind. Derartige Übungen werden öfters durchgeführt um gezielt auf dieses Prüfungsformat vorzubereiten. Es folgt ein deutscher Text, welcher zunächst ins Finnische übersetzt wird und dann nach gleichem Muster beantwortet wird. Ein wenig erinnert mich diese Vorgangsweise an meinen lange zurückliegenden Lateinunterricht.
Endlich
Eines der beiden längst überfälligen Pakete trifft endlich ein. Schon der erste Eindruck verheißt nichts Gutes. Die Schachtel ist an mehreren Stellen aufgerissen und ein schmales Band verhindert, dass sie völlig auseinander fällt. Der Inhalt ist nicht ganz vollständig und mehrere Sachen sind beschädigt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich über das verspätete Eintreffen freuen soll, oder ob ich mich über den Zustand der Schachtel ärgern soll. Die zweite Sendung, welche vier Tage davor abgeschickt wurde, ist immer noch nicht da.
Kleingartensiedlung im Stadtteil Kauppi
Nach der Schule geht es in den Stadtteil Kauppi im Nordosten
von Tampere. Dort befindet sich ein weit verzweigtes Loipennetz. Eine breite
Spur für die Skatingtechnik wird von zwei Loipen für den klassisches Stil
begleitet. Zahlreiche Finnen gehen dort nach der Arbeit ihrem Nationalsport
nach. Es gibt einen kleinen Verleih, wo man sich eine Langlaufausrüstung
ausborgen kann. Ich entscheide mich für die klassische Technik, muss aber noch eine
Weile warten, bis meine Schier bereit sind. Sie werden noch gewachst und
gebürstet. Zum ersten Mal bin ich mit derartigen Schiern unterwegs. Ein
unglaubliches Gefühl in der Loipe. Kein Vergleich zu meinem Schuppenschi
daheim. Relaxed und hungrig geht es danach zum Abendessen in ein typisches
finnisches Restaurant.
Professionelles Schiservice - auch für Leihschi
Frisch gewachst läuft sichs besser
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen