Bericht vom Montag, den 11. März 2013
Mein erster Schultag
Nicht mit einer Schultüte, sondern mit einem großen Rucksack
gepackt mit Unterrichtsmaterialien mache ich mich auf den Weg zur
Pohjois-Hervannan koulu. In dieser Grundschule werden Schülerinnen und Schüler von
der ersten bis zu neunten Schulstufe unterrichtet. Es ist eine Gesamtschule mit
in vielen Bereichen starker innerer Differenzierung.
Morgendliche Ansicht der Pohjois-Hervannan-Schule
Frei nach Wolfgang Ambros kommt mir heute mehrmals „Zwickt´s mi i man i dram – i glaub i bin daham“ in den Sinn. Schon das Äußere der Schule erinnert mich stark an die Billroth73 meine Stammschule. Sie hat allerdings neben einem A und einem B-Trakt, welche hier ebenso genannt werden, noch einen dazu parallelen C-Trakt, welcher im Wesentlichen die Räume unseres Art- und Nawitraktes beherbergt. Verbunden sind die verschiedenen Teile durch ein Gewirr an Treppen und Gängen. Kaum glaube ich mich irgendwo auszukennen verlaufe ich mich auch schon wieder. Ein Déjà-vu meiner Anfangszeit an der Billroth73.
In der ersten Stunde, von 8h15 bis 9h00, bin ich beim
Deutschunterricht einer 6. Klasse, dem 2. Lernjahr, dabei. Ich werde im Chor auf
Deutsch mit Namen begrüßt und muss unzählige Fragen beantworten: "Trinken Sie Spezi? Wo
wohnen Sie? Ist es in Österreich schön?"
Um 9h00 wird das Ende der Stunde durch einen Gong angkündigt.
Die 2. Stunde beginnt mit einem Knistern in den Lautsprechern. Das nächste Déjà-vu! Bin ich
auf Schikurs in unserem Stammquartier im Rupertushof in Abtenau und hat Manfred Wichtiges mitzuteilen? Nein - es
wird eine Frauenstimme hörbar. Die Schülerinnen und Schüler erstarren und es
herrscht absolute Stille. Sie lassen, mehr oder weniger aufmerksam, die
tägliche fünfminütige Ansprache über sich ergehen. Dabei erfahren sie das
Tagesmotto. Im folgenden Schwedischunterricht wird ein Schüler per Abzählreim
für die Vokabelprüfung bestimmt. Sonst kann ich in Ermangelung fehlender Sprachkenntnis dem
Unterricht nur wenig folgen und habe ein mit meinem Schlafdefizit zu
kämpfen. Der Gong um 10h00 rettet mich in die Pause.
Lehrerpostfächer in der Pohjois-Hervannan-Schule
Im Lehrerzimmer folgt das nächste Déjà-vu!
An den Wänden unüberschaubare Informationen. An der Wand befinden sich Postfächer, allerdings etwas größer als bei uns. Nur die bei uns auf unseren Tischen gestapelten Dinge fehlen hier. Das Lehrerzimmer ist Aufenthaltsraum und Kommunikationszentrum, aber kein Arbeitsraum. Dafür sind zahlreiche daran angrenzende Nebenräume vorgesehen. Sie sind
funktional gut ausgestattet, verfügen über ausreichende Arbeitsflächen, zahlreiche
funktionstüchtige Computer, Drucker, Papierschneidemaschinen, … . Ich mache Bekanntschaft mit einem Afrikaner. Der Kollege unterrichtet Immigranten Somali. Ich schließe daraus, dass die Schule auch von Kenianern, Äthiopiern
und eben Somalis besucht wird. Er erzählt, dass es an der Schule auch Unterricht
in Vietnamesisch, in diversen Balkansprachen und noch einigen weiteren gibt. Am
Abend wird das Schulgebäude auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Um den
Kontakt zu ihren Wurzeln nicht zu verlieren, nehmen viele dafür auch eine weite
Anreise quer durch Tampere in Kauf. Wichtig erscheint ihm, dass auch Religionsunterricht für
verschiedene Konfessionen angeboten wird. Umgehend mache ich Bekanntschaft mit dem
protestantischen und dem russisch- orthodoxen Religionslehrer.
Lehrerzimmer mit Kaffeeküche und Besprechungstischen
Bis Unterrichtsschluss
um 15h00 hospitierte ich noch eine Mathematik und eine Geographiestunde. Nach einem
guten Mittagessen in der Schulkantine folgten zwei weitere Deutschstunden.
Danach noch eine Vorbesprechung für den morgigen Tag und das nächste Déjà-vu!
Ich gehöre, wie auch oft in Wien, wieder einmal zu den letzten, die das
Schulgebäude verlassen.
Rundgang durch das Zentrum von Tampere
Keskustori - Altstadt
Nach Unterrichtsschluss erhalte eine kurze Stadtführung von Kollegin Pia Loven. Vorbei geht es an einem alten
Wasserkraftwerk und mehreren aufgelassenen und auch noch in Betrieb befindlichen Fabrikgebäuden. Schließlich gibt es
einen wohlverdienten Snack in der Markthalle. Nicht nur, dass für mich die finnische
Sprachmelodie sehr der ungarischen ähnelt, kommt gleich das nächste Déjà-vu! Die
Markthalle, eine alte Stahl-Holzkonstruktion, gleicht jener von Budapest.
Fabriksanlagen am Tammerkoski
Kauppahalli - Markthalle

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