Donnerstag, 14. März 2013





Bericht vom Mittwoch, den 13. März 2013


Schulwechsel
Heute besuche ich ein Gymnasium, die Tampereen Teknillien lukio. Die Schule liegt unweit der bereits besuchten Grundschule ebenfalls im Stadtteil Hervanta . Das Stadtviertel ist eine Satellitenstadt mit schlechter Infrastruktur und hohem Migrantenanteil. Das Gymnasium ist sehr klein. Es gibt rund 300 SchülerInnen und 20 LehrerInnen. Die Schulzeit beträgt drei Jahre.
  

Trostlose Wohnsilos und Schneeberge 

 
 Eingangsbereich Tampereen Teknillien Schule

 
Ich besuche einen Mathematikkurs bei Frau Ulla Sorri. Einige SchülerInnen haben schon zu Stundenbeginn ihren Laptop hochgefahren. Ich sitze in der letzten Reihe und beobachte zwei Schüler, die zu spät kommen und wortlos vor mir Platz nehmen. Einer verwendet einen Laptop, dessen Akku leer ist. Mit seinem Ladekabel legt er mich praktisch in Fesseln.


Ein ähnliches Bild wie in der Grundschule. Auf dem Smartboard wird 1:1 eine Schulbuchseite projiziert. An die  Aufgabenstellung wird gleich die Lösung angehängt, welche kurz erörtert wird. Die SchülerInnen vergleichen mit dem Heft. Ich werfe einen Blick ins Mathematikbuch. Ein Theorieteil ist nur marginal vorhanden. Einer anschaulichen stets durch Skizzen ergänzten Musteraufgabe folgen mehrere Übungsbeispiele. Hinten im Buch findet man die Lösungen dazu und eine kurze Formelsammlung.


Über die Plattform Moodle werden einem Mathematikstudenten mehrere Fragen beantwortet. Beim Login gibt es Probleme. Einem Schüler dient sein Handy als Ersatz für seinen Laptop. Einige Schüler nützen die Gelegenheit, um schnell einmal auf Facebook vorbei zu schauen. Nach und nach werden die Laptops eingepackt, bis nur mehr drei stehen bleiben. Auf einem läuft ein Film weiter und die anderen dienen zum Surfen im Internet.

Das Hauptthema der Einheit ist der Cosinussatz. Am Whiteboard wird die Formel dafür präsentiert und danach anhand einer Skizze kurz erläutert. Es folgt ein von der Lehrerin schrittweise händisch gerechnetes Beispiel. Die Schüler schreiben im Heft mit. Fast alle verwenden dazu Bleistifte. Ein Schüler verfolgt zusätzlich auf seinem Laptop die Ausrechnung vom Smartboard. Für mich ist dies die bislang erfreulichste Unterrichtseinheit in Tampere. Trotz finnischer Unterrichtssprache habe ich alles verstanden. Die Sprache der Mathematik ist eben international.
  


Opernaufführung in der Tampere Halle
Tampere-talo - ein moderner Mehrzweckbau


Am Abend geht es in die Tampere-talo zu Madame Butterfly von Giacomo Puccini. Das Gebäude aus den 1980er Jahren beherbergt neben einem riesigen Saal für Opernaufführungen und Konzerte auch ein Kongresszentrum. Im Inneren erinnert insbesondere die Konstruktion der Decke an die Berliner Philharmonie. Zahlreiche Holzelemente an den Wänden verbessern die Akustik. Zu den Plätzen am Rang gelangt man vom Foyer aus mit einer Rolltreppe, welche am Beginn der Pause die Richtung wechselt und so die Besucher wieder zum Buffetbereich  hinunter bringt. Das Foyer ist einem Restaurant ähnlich gestaltet und die Zuschauer stärken sich dort auch schon lange vor der Vorstellung. Der Opernbesuch wird hier als Event mit gesellschaftlichem Rahmenprogramm zelebriert. Die jenen in einem Fernreisebus ähnelnden Sitze mit Nackenstütze können mit einer einfachen Holzkonstruktion zu einem erhöhten Kindersitz umfunktioniert werden. Die Aufführung ist leider schlecht besucht. Das Orchester wird von einer Frau dirigiert. Die Inszenierung besticht durch ihre Schlichtheit, bei welcher die Abstraktion aber nie zu einer störenden Realitätsferne führt.


Theatersessel mit Kindersitzauflage



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