Bericht vom Donnerstag, den 14. März 2013
Endlich schaffe ich es einmal vor Mitternacht aus Tampere zu
berichten. Ich hoffe, meine Gedanken sind
dadurch klarer und die Texte für die Leser besser verständlich. Garantieren
möchte ich dafür nicht. Ich kann nicht behaupten, dass ich mich ganz frisch und
fit fühle. Zu intensiv ist das Programm. Und wenn es einmal eine kurze Pause
gibt, dann muss ich mich um die noch immer nicht eingetroffenen Pakete mit den
Unterrichtsmaterialien kümmern, oder ich werde kurzfristig gebeten in den Unterricht
mitzukommen, um interessierten SchülerInnen Rede und Antwort zu stehen.
Erste Stunde Informatik im Gymnasium
Das Schulgebäude wirkt wie ausgestorben. Wenige Lehrer und auch nur einige SchülerInnen sind bereits anwesend. Kurse am frühen Morgen scheinen nicht sehr beliebt zu sein. Nur ein Schüler erscheint pünktlich zum Unterricht. Nach und nach füllt sich der gut ausgestattete Computersaal und erst eine gute halbe Stunde später wird durch Aufrufen der Namen die Anwesenheit kontrolliert. Ich habe keine Ahnung, was genau unterrichtet wird, aber ich befürchte den meisten SchülerInnen ergeht es ähnlich. Fotos vom Schulball sollen bearbeitet werden. Der Bildschirm des Lehrers wird an die Wand projiziert. Er spricht dazu, wechselt aber kein Wort mit den Schülern. Diese sind sowieso anderwärtig beschäftigt. Facebook, ein Eishockeymatch und Google Earth erfreuen sich großer Beliebtheit. Erst als ein Arbeitsauftrag erteilt wird, finden sich mehrere dazu bemüßigt diesen zu erfüllen.
Endlich Pause
Die Pause verbringe ich im Lehrerzimmer. Ein gemütlicher Raum mit Sitzecke, Eßtisch für das Mittagessen, Besprechungstisch und eine kleine Kaffeeküche. Gleich wird mir Kaffee angeboten und eine Kollegin versorgt mich mit Informationsmaterial von einem Verleih für Langlaufski. Die Finnen liegen mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 12kg Kaffee jährlich weltweit an erster Stelle. Vielleicht ist das Kaffeetrinken eine der wenigen Möglichkeiten um sich an kurzen Wintertagen wach zu halten. Zum Kaffee gibt es angeblich landestypische gefüllte Doppelkekse belgischen Ursprungs. Der Kaffee wird oft rasch im Stehen an einem kleinen Bartisch genossen. Das erweist sich in kurzen Pausen als äußerst zeitökonomisch. Eine Kollegin schaltet eine darauf stehende Lampe mit sehr grellem Licht ein. Es handelt sich um eine Lichtdusche, welche der Winterdepression an den kurzen Wintertagen entgegenwirken soll. Mit dem Hausgebrauch bin ich mittlerweile bestens vertraut und stelle mein schmutziges Häferl gleich in den Geschirrspüler. Solche und ähnliche Handgriffe werden sowohl bei den LehrerInnen als auch bei den SchülerInnen als selbstverständlich angesehen. Deshalb wirkt hier alles stets aufgeräumt und sauber.
Erste Stunde Informatik im Gymnasium
Das Schulgebäude wirkt wie ausgestorben. Wenige Lehrer und auch nur einige SchülerInnen sind bereits anwesend. Kurse am frühen Morgen scheinen nicht sehr beliebt zu sein. Nur ein Schüler erscheint pünktlich zum Unterricht. Nach und nach füllt sich der gut ausgestattete Computersaal und erst eine gute halbe Stunde später wird durch Aufrufen der Namen die Anwesenheit kontrolliert. Ich habe keine Ahnung, was genau unterrichtet wird, aber ich befürchte den meisten SchülerInnen ergeht es ähnlich. Fotos vom Schulball sollen bearbeitet werden. Der Bildschirm des Lehrers wird an die Wand projiziert. Er spricht dazu, wechselt aber kein Wort mit den Schülern. Diese sind sowieso anderwärtig beschäftigt. Facebook, ein Eishockeymatch und Google Earth erfreuen sich großer Beliebtheit. Erst als ein Arbeitsauftrag erteilt wird, finden sich mehrere dazu bemüßigt diesen zu erfüllen.
Endlich Pause
Die Pause verbringe ich im Lehrerzimmer. Ein gemütlicher Raum mit Sitzecke, Eßtisch für das Mittagessen, Besprechungstisch und eine kleine Kaffeeküche. Gleich wird mir Kaffee angeboten und eine Kollegin versorgt mich mit Informationsmaterial von einem Verleih für Langlaufski. Die Finnen liegen mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 12kg Kaffee jährlich weltweit an erster Stelle. Vielleicht ist das Kaffeetrinken eine der wenigen Möglichkeiten um sich an kurzen Wintertagen wach zu halten. Zum Kaffee gibt es angeblich landestypische gefüllte Doppelkekse belgischen Ursprungs. Der Kaffee wird oft rasch im Stehen an einem kleinen Bartisch genossen. Das erweist sich in kurzen Pausen als äußerst zeitökonomisch. Eine Kollegin schaltet eine darauf stehende Lampe mit sehr grellem Licht ein. Es handelt sich um eine Lichtdusche, welche der Winterdepression an den kurzen Wintertagen entgegenwirken soll. Mit dem Hausgebrauch bin ich mittlerweile bestens vertraut und stelle mein schmutziges Häferl gleich in den Geschirrspüler. Solche und ähnliche Handgriffe werden sowohl bei den LehrerInnen als auch bei den SchülerInnen als selbstverständlich angesehen. Deshalb wirkt hier alles stets aufgeräumt und sauber.
Lehrerzimmer mit Besprechungstisch
Auch am Gymnasium ist das Mittagessen gratis. Fast alle
SchülerInnen machen davon Gebrauch. Beim Anstellen herrscht überaus
große Disziplin. Ohne zu drängeln warten alle geduldig, bis sie an der Reihe
sind, auch die Lehrer. An den Tischen wird kein Mist zurück gelassen und der
Behälter für die Rückgabe von Speiseresten wird praktisch nicht verwendet. Mein Essen nehme ich heute nicht im Schülerspeisesaal ein,
sondern bei den KollegInnen im Lehrerzimmer.
Unerwartete Abänderung
Der erste Teil der Mathematikstunde entfällt. Es findet eine Informationsveranstaltung betreffend die Matura statt. Zielgruppe sind die nächstjährigen MaturantInnen. Bis auf wenige zeigen sich alle sehr interessiert. Angeblich schon seit 1919 wird die Matura mit zentral gestellten Aufgaben jeweils im Frühjahr durchgeführt. Plötzliche erlebe ich erstmals in Finnland, dass ein Schüler ermahnt wird. Der Schülerberaterin ist es offenkundig eine großes Anliegen, dass alle alles mitbekommen. Information ist an finnischen Schulen sehr wichtig. Für die Zulassung zur ausschließlich schriftlich durchgeführten Reifeprüfung ist eine je nach Fach unterschiedliche Mindestzahl an Kursen erforderlich. Von den in Mathematik angebotenen 30 verschiedenen Kursen müssen bis zum Antritt neun absolviert werden. Als Hilfe für deren Auswahl kommt der Schülerberaterin eine immens wichtige Rolle zu. Der zweite Teil der Mathematikeinheit findet statt und läuft wie gewohnt ab. Die Schüler öffnen ihre Lehrbücher, die entsprechende Seite wird auch an die Wand projiziert, ein Arbeitsblatt wird verteilt und dann beginnt der Lehrervortrag. Die Interaktion und Kommunikation mit den SchülerInnen sind äußerst gering. Danach folgen ein paar Aufgaben für eine Einzelarbeit, bei welcher der Lehrer umher geht und individuelle Hilfe gewährt.
Kurzfristiger Einschub
Eine Kollegin bittet mich einer Klasse kurz die Eckpfeiler des österreichischen Schulsystems zu präsentieren. Ich bin überrascht, mit welchem Interesse die SchülerInnen meinen Ausführungen folgen. Immer wieder werden bemerkenswerte Fragen gestellt. Aus einer entwickelt sich eine längere Diskussion. Eine Schülerin mit nicht finnischer Muttersprache will wissen, wie mit Immigranten in Österreich umgegangen wird, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Dabei lässt sie auch wenig Kritik an der gängigen finnischen Praxis anklingen. Sie sieht noch zusätzlichen Förderbedarf bei der Festigung der Muttersprache, welche in Finnland aber auch jetzt schon verpflichtend verstärkt unterrichtet wird. In Österreich geschieht das ja bislang kaum. Übereinstimmend stellen wir fest, dass ein Fremdsprachenerwerb und auch ein Wissenserwerb nur dann gut funktionieren kann, wenn die eigene Muttersprache gut gefestigt ist.
Erneuter Schulwechsel
Unerwartete Abänderung
Der erste Teil der Mathematikstunde entfällt. Es findet eine Informationsveranstaltung betreffend die Matura statt. Zielgruppe sind die nächstjährigen MaturantInnen. Bis auf wenige zeigen sich alle sehr interessiert. Angeblich schon seit 1919 wird die Matura mit zentral gestellten Aufgaben jeweils im Frühjahr durchgeführt. Plötzliche erlebe ich erstmals in Finnland, dass ein Schüler ermahnt wird. Der Schülerberaterin ist es offenkundig eine großes Anliegen, dass alle alles mitbekommen. Information ist an finnischen Schulen sehr wichtig. Für die Zulassung zur ausschließlich schriftlich durchgeführten Reifeprüfung ist eine je nach Fach unterschiedliche Mindestzahl an Kursen erforderlich. Von den in Mathematik angebotenen 30 verschiedenen Kursen müssen bis zum Antritt neun absolviert werden. Als Hilfe für deren Auswahl kommt der Schülerberaterin eine immens wichtige Rolle zu. Der zweite Teil der Mathematikeinheit findet statt und läuft wie gewohnt ab. Die Schüler öffnen ihre Lehrbücher, die entsprechende Seite wird auch an die Wand projiziert, ein Arbeitsblatt wird verteilt und dann beginnt der Lehrervortrag. Die Interaktion und Kommunikation mit den SchülerInnen sind äußerst gering. Danach folgen ein paar Aufgaben für eine Einzelarbeit, bei welcher der Lehrer umher geht und individuelle Hilfe gewährt.
Kurzfristiger Einschub
Eine Kollegin bittet mich einer Klasse kurz die Eckpfeiler des österreichischen Schulsystems zu präsentieren. Ich bin überrascht, mit welchem Interesse die SchülerInnen meinen Ausführungen folgen. Immer wieder werden bemerkenswerte Fragen gestellt. Aus einer entwickelt sich eine längere Diskussion. Eine Schülerin mit nicht finnischer Muttersprache will wissen, wie mit Immigranten in Österreich umgegangen wird, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Dabei lässt sie auch wenig Kritik an der gängigen finnischen Praxis anklingen. Sie sieht noch zusätzlichen Förderbedarf bei der Festigung der Muttersprache, welche in Finnland aber auch jetzt schon verpflichtend verstärkt unterrichtet wird. In Österreich geschieht das ja bislang kaum. Übereinstimmend stellen wir fest, dass ein Fremdsprachenerwerb und auch ein Wissenserwerb nur dann gut funktionieren kann, wenn die eigene Muttersprache gut gefestigt ist.
Erneuter Schulwechsel
Bei starkem Schneetreiben, Wind und Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt besuche ich heute noch eine weitere Schule. Die Deutschkollegin beschreibt sie mir als Berufsschule, das österreichische Pendant ist aber eine Höhere Technische Lehranstalt. Eine einstündige Schulführung umfasst auch den Besuch mehrerer Lehrwerkstätten. Besonders auffallend ist dort der hohe Anteil an Mädchen. In Finnland ist die Quote von Frauen in männertypischen Berufen und Positionen generell sehr hoch. Finnland hat bei der Gleichberechtigung der Geschlechter schon immer eine Vorreiterrolle gespielt. Als erstes Land der Welt führte Finnland schon 1903 ein allgemeines aktives und passives Frauenwahlrecht ein. Im finnischen Parlament liegt der Frauenanteil heute bei rund 40%.
Neubau der "Berufsschule" in der Hepolamminkatu
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